Auf der Rückfahrt von Zingst habe ich noch einmal in Born Halt gemacht. Der malerische Fischerort wird wegen seiner hübsch restaurierten Reetdachhäuschen lobend im Reiseführer erwähnt. Gestern schon habe ich einen Prospekt vom Gut Darß entdeckt. Hier werden Spezialitäten aus Biofleisch feilgeboten, hieß es im Flyer. Das Angebot im Supermarkt von Zingst war erstaunlich groß und vielversprechend und so habe ich die kleine Stippvisite noch schnell nachgeschoben. Die Einfahrt ist bombastisch. Eine mächtige Bronze in Stierkopfform zeigt den Weg zur Einfahrt. Bei dem Namen Gut Darß dachte ich an einen typisch mecklenburgischen Gutshof aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielleicht. Umso erstaunter war ich, lauter riesige dunkelgrüne Hallen vor mir zu sehen, die in Reih und Glied in der Landschaft standen. Kein hübscher Gutshof, kein ländliches Idyll.
Der Hofladen ist im Verwaltungsgebäude untergebracht. Ich dachte an die Hofläden in der näheren Umgebung meines derzeitigen Hauptwohnsitzes und guckte dementsprechend vermutlich ziemlich verdattert in den winzigen Raum mit einer immerhin einigermaßen reichlich gefüllten Theke. Hinter der Theke tummelten sich noch einige Honiggläser mit unterschiedlichem Inhalt in einem Holzregal. Ende im Gelände. Nüschte mehr.
Dafür war die Auswahl an Biofleisch echt umwerfend. Frischfleisch und Wurstwaren aus allerlei Getier von Rind über Lamm bis zu Exotischerem. Der freundliche Herr im Fleischereifachverkäuferoutfit beantwortete mir bereitwillig all meine Fragen und reichte mir erst einmal ein Stück Salami.
„Von welchem Tier ist das?“
„Das erraten Sie nie!“
„Wollen Sie mich herausfordern?“
Er lächelt siegessicher. „Na dann mal los, junge Frau.“
Junge Frau! Hat der mich mal angeguckt? Auch so umme Augen rum, nach fünf Stunden Schlaf?
„O.K. Das Fleisch ist dunkel, fest in der Konsistenz, der Fettanteil schön niedrig. Wenn das so vom Tier kommt…“ ich musste kurz mal dran schnuppern, „tippe ich auf Pferd, riecht aber eher nach Wild und schmeckt ein bißchen mehr nach Rind. Was aber von der Farbe nicht hinkommt.“
„Alles falsch.“ Sein Grinsen wird breiter
„Gnu? Ziege? Kreuzung aus Beidem und dann noch Bio ohne Mastfutter?“ Meine Tipps werden verzweifelter.
„Nein, nein. Kommen Sie nicht drauf, ne?“
„Erlösen Sie uns beide, bitte.“ Ich mache einen kapitulierenden Blick und bin gespannt.
„Wasserbüffel!“
„Herrje, wo ist der denn entflohen? Man hört ja von entflohenen Kühen auf Autobahnen oder Lamas von einem verrückten Wollzüchter…“
„Die grasen hier auf dem Darß. Quasi als Landschaftsgärtner.“
„Sachen gibt’s hier. Schmeckt hervorragend. Und da ich noch ein Weilchen zu bleiben gedenke, nehme ich erst mal nur Pfefferbeißer und komme am Tag der Abreise noch mal wieder.“
Gesagt, getan. Ich habe ein Paar mitgenommen. Und so lecker sie sind, so intensiv sind sie im Duft. Leider habe ich heute schon ausreichend zu Abend gegessen und verbanne sie daher im Bad über Nacht.